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* Björn Again Konzert

(Read an english translation of this text)

Enttäuschung eines Amateur-Kritikers

Weil's nix schöneres gibt, als dort zu kloppen, wo man's selbst nicht besser kann und dem Tagi mit einem Verriss zuvorzukommen ist doch auch nicht übel, oder? Na also da greif ich doch in die Tasten und schreib ne Kolumnenkonzertkritikfrustabbausache.

Da gehört man also zur Generation derer, die in ihrem Leben ABBA zweimal cool finden konnten - inklusive der Zwischenphase während der man sich des ersten mals artig schämte - und weiss nicht recht ob man nun erleichtert sein soll, dass die 4 SchwedInnen trotz den Gebotenen 1.8 Milliarden kein Comeback planen, und so die guten Erinnerungen nicht zerhauen können oder ob es eben nicht doch kultig wäre die Götter der Disco auch mal Live zu erleben...

Zum Glück - so hört und denkt man - gibt es da noch die ollen Australier, die uns schon mit Muriel's Wedding zeigten, dass sie's ABBA-mässig drauf haben, und produzieren Cover-Juwelen wie "Björn again". Da will man sich das Konzert im Haus des zürcher Pöbels wahrlich nicht entgehen lassen und strömt ins Ausverkaufte Haus um zwischen Schwulen im Glitter-Look und kreischenden Mittdreissigern der Dinge zu harren, die da kommen mögen.

Ein erster Auftakt aus der Konserve bereitet da den Auftakt, auf die Bühne treten zuerst ein Bassist und ein Drummer, die dezent im Hintergrund bleiben, und während dem ganzen Konzert irritierend nicht ins Revival Bild passen wollen.

Danach die 4 Hauptakteure, in weissen Seidenmänteln zwei Typen, die abgesehen vom Bart des einen und den blonden Haaren des andern weder Benny noch Björn gleichen - irgendwie erinnert es an den Auftakt zu einem Boxmatch. Die zwei Frauen treffen das Bild schon besser, die Blonde Agnetha hat sogar einen leicht Skandinavischen touch. Dafür tun die engen ebenfalls weiss-seidenen Kleidchen mit den Garfieldesken Bildchen den Augen weh - da sind die erst später angezogenen Hellbläulichen Discoponchos eingiges passender.

Na ja, eine Impersonifikation hat man eigentlich gar nicht erwartet und nimmt deshalb auch den nur halb gelungenen Versuch wohlwollend zur Kenntnis. Die Konserve klingt aus, die 4 greifen zu den Instrumenten und Mikrofonen und ach oh graus, die Melodie stimmt, aber die Stimmlage hängt schief im Saal. 3 von 4 Stimmen wie ABBA echt, bloss die 4. liegt zu tief - zwar noch in Harmonie, aber eben nicht wie's Original. Na ja, es ist ja auch nicht das Original, also lässt man das durchgehen.

Doch bald schon fährt einem der Horror mit eisigen Zähnen ins Mark: Mindestens jemand von den zwei Frauen kann nicht singen. Es tönt falsch, es gibt kein anderes Wort. Interessanterweise störten sich niemand ausser mir und Boris daran. Im lauf des Konzerts gab's immer mal wieder Phasen, wo es toll tönte, dann wieder lag jemand voll im off. Wenn mein CD Spieler solche gleichlaufstörungen hätte, würde ich ihn mit viel Liebe und einem Hammer auf die Masse 5x5x5 komprimieren und dem Altmetallgitter der grossen deutschen Bank, die mich beschäftigt, übergeben.

Als die beiden Mädels sich mal kurz umziehen gehen legen die beiden Männer ne harte, rockige Einlage hin, die bestätigt, was man schon eine weile vermutet hat: Wenigstens der blonde Björn-klon beherrscht die Gitarre technisch, ob das das Beny-Pendant mit dem Piano auch kann, bleibt offen, ab und zu regt sich der verdacht, dass da noch ein Spieler im Off mit von der Partie ist und dann liegt der Schluss, dass da die gut tönenden Segmente aus dem Playback kommen auch nicht mehr weit. Ob's stimmt wird spekulation bleiben, das Volk stört's nicht, die Stimmung ist gut, der Saal brodelt. Wie wenn's nicht genug wär, müssen die 4 eine penetrante Interraktion mit dem Publikum hinlegen, die den vergleich mit der "obnoxiousness" amerikanischer Provenienz nicht zu scheune braucht.

Das Fazit: Gesehen hab ich's, gehört leider auch und die nächsten 44 Stutz werd ich statt den Aussies lieber zu den 1.8 Milliarden legen, vielleicht überlegen sich's die Originale dann doch nochmals.

Und jetzt, auf dass der Tagi sie mit einem noch übleren Verriss beschert.

Urs Beeli, Zürich, April 2000

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Last modified: 2010-07-16